250 Jahre Tiere im Circus

250 Jahre Tiere im Circus – eine lange Tradition
Tierdressuren waren im Circus seit seinem Beginn vor 250 Jahren ein fester Bestandteil der Programme, allein aus dem Grund heraus, dass der Circus aus den Vorführungen der Kunstreiter entstand. Die Pferdedarbie¬tungen unterschiedlicher Art dominierten bis zum Ende des 19. Jh. die Circusprogramme, doch gab es seit seiner Entstehung auch immer andere Tierdressuren im Circus, so Affen bei Astley, einen Elefanten und Hirsch bei Franconi in Paris und Raubtiere und Exoten bei Renz.

Mit der Entwicklung der Seefahrt Ende des 18. Jh. nahmen der Tierhandel und die gesamte Tier-dressur einen Aufschwung, als zahlreiche exotische Tiere nach Europa gebracht wurden. Es begann die große Zeit der Wander¬menagerien, die diese Tiere zur Schau stellten und zum Teil auch abrichteten.
In den Menagerien wurden die Dressuren in einem Käfig vorgeführt und beschränkten sich auf eher bescheidene Tricks. Auch im Circus wurden die Raubtiere anfangs in einem Wagenkäfig präsentiert, der in die Manege geschoben wurde. Erst die Einführung des Zentralkäfigs durch Wilhelm Hagenbeck ermöglichte eine größere Vielfalt und vor allem Weiterentwicklung der Dressurtricks von Raubtieren. Die Dressurschule der Hagenbecks sorgte auch dafür, dass die humane Dressurmethode sich durchsetzte, die auf Erkenntnissen der Tierpsychologie über das Verhalten und die Individualität der Tiere beruht. Dressur ist diszipliniertes Spiel, das Tier lernt durch positive (Belohnung) wie negative Erfahrungen (Zurechtweisung), welche Aktionen und Verhaltensweisen auf welche Zeichen hin von ihm erwartet werden. Eine artgerechte Haltung (in Befolgung der „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben“) und Dressur vorausgesetzt, können die Zuschauer im Circus mit Genuss die Schönheit, Intelligenz und Geschicklichkeit der Tiere sowie das Vertrauensverhältnis zwischen Tierlehrern und Tieren bewundern. Außerdem wird mit der Aus¬bildung der Circustiere ihre körperliche wie psychische Verfassung gefördert. Das Kennenlernen der Tiere in Aktion wiederum befördert bei den Zuschauern die Bereitschaft, diese Tiere schützen zu wollen, dient also fraglos dem Tierschutz.
Im Circus waren und sind die unterschiedlichsten Tiere anzutreffen. Die Dominanz der Pferde wurde mit dem Beginn des 20. Jh. durch eine große Vielfalt von Dressurdarbietungen abgelöst. Viele Direktoren präsentierten sich nun in der Manege nicht nur mit der Vorführung edler Rassepferde sondern auch mit Elefanten, Raubtieren und Exoten. In der Gegenwart sind durch Einschränkungen in der Einfuhr von Tiere, Vorführverbote, wachsende Schwierigkeiten mit Circusplätzen, steigende Kosten und nicht zuletzt die Angriffe durch militante Tierrechtler , Tiere als traditioneller Bestandteil der Circusprogramme erheblich zurückgegangen. Gleichzeitig werden Haustiere wie Kühe, Schweine, Ziegen etc. von vielen Zuschauern als „exotisch“ empfunden, weil sie keine Beziehung mehr dazu haben. Haustiernummern werden vielleicht zukünftig einen größeren Raum einnehmen, während Raubtiere, Elefanten und Exoten nur noch selten anzutreffen sein werden. Trotzdem wäre es aber ein großer Verlust für die Circuskunst, wenn diese Tierarten völlig aus den Vorführungen verschwinden würden, von einer völligen Abkehr von Dressurdarbietungen ganz zu schweigen. Der Circus zeigt sich heute in verschiedensten Erscheinungsformen, der traditionelle Circus mit Tieren wird aber sicher eine der beliebtesten Formen bleiben – nicht nur für Kinder sondern alle Tierfreunde.

Gisela Winkler

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