Zum Tode von Claus Kröplin – Die Circuswelt verlor einen Idealisten und Kämpfer

Wir leben in einer Zeit der digital vernetzten Medien; Nachrichten verbreiten sich rasch. Und so hat sich auch die traurige Kunde über den Tod von Claus Kröplin innerhalb der Circus-Szene in Windeseile ausgebreitet. Man kannte ihn ja allenthalben, schätzte seinen unermüdlichen Einsatz für die Interessen der Tierlehrer. Nicht allein die Fachwelt achtete sein sachkundiges Wissen. Zu Recht sah man in ihm den unermüdlichen Kämpfer, der sich jeder Diskussion stellte und auch keinem schriftlichen Disput aus dem Wege ging, wenn es darum ging, die Arbeit der Tierlehrer, die sich hierzulande auf ein regelndes Tierschutzgesetz berufen können, gegen ungerechtfertigte Angriffe zu verteidigen. Dies war eine Sache des Herzens für Claus Kröplin. Er war ein engagierter Tierfreund, gleichzeitig aber auch ein sensibler Mensch, der mit Kritik nicht zurückhielt, wenn er eine Tierhaltung für unzureichend hielt. Ebenso war es für ihn aber Ehrensache, die vielen Fortschritte und Optimierungen hervorzuheben, welche die Tierhaltung im Circus inzwischen erfahren hat. Es hatte seinen Grund, wenn Claus Köplin so sicher auftrat. Er war ein Mann der Praxis. Er hatte mit Tieren gelebt, war jahrzehntelang mit Circussen umhergereist, hatte Kenntnisse gesammelt bei erfahrenen Tierlehrern; er profitierte von diesem Wissensvorsprung gegenüber seinen Kritikern. Als Vorsitzender des Tierlehrerverbandes wandelte sich Claus Kröplin in seinen späten Lebensjahrzehnten zu einer Art Anwalt für den klassischen Circus mit Tieren. Er verfasste Schriftsätze, formulierte Eingaben, wurde bei Gericht zu Tierschutzfragen als Gutachter herangezogen und verhandelte beim Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn über die Ausgestaltung der Zirkusleitlinien. Solcherlei Aktivitäten lagen ihm, er hätte – unter einem anderen Stern des Schicksals – aufgrund seiner Fähigkeiten auch einen ganz anderen Lebens- und Berufsweg einschlagen können. Am 28.12.1935 wurde Claus Kröplin in Hamburg als Kind einer gutbürgerlichen Familie (Vater kaufmännischer Angestellter, Mutter Abteilungsleiterin in einer Zigarettenfabrik) geboren. Die Wirren der Kriegszeit trugen dazu bei, dass dem Jungen ein geregelter Schulbesuch verwehrt geblieben ist. Schon im kindlichen Alter half er in der Dressurschule in Hagenbecks Tierpark und wirkte dort im Kindercircus mit. Mit Pferden, Seelöwen, Elefanten und Exoten hatte er schon zu tun, bevor er bei Hagenbeck eine Lehre als Tierpfleger absolvierte und später im Tierpark die Betreuung der Menschenaffen übernahm. Von dort war es nur ein kleiner Schritt in die Welt des Circus. Tierliebe gepaart mit Abenteuerlust waren die Beweggründe für das Reiseleben, das für ihn nun seinen Anfang nahm. 1955 trat er mit Buntes Schimpansen im Circus Busch-Berlin (Dir. Oscar Hoppe) auf, später dressierte er eine Schimpansengruppe in England für Billy Smarts Circus. Dort lernte Claus Kröplin auch seine spätere Frau Marion kennen, die bei Smart im Luftballett auftrat. Nach der Hochzeit bauten sich beide eine eigene Schimpansennummer auf, die unter Hinzunahme von Pudeln und Tauben später zu einer reizenden Tierrevue erweitert wurde, aus der aber schließlich die Schimpansen aus Altersgründen herausgenommen werden mussten. Mit ihrer Tierrevue hatten die Kröplins zahlreiche Engagements überall in Europa und sogar in Japan. Allein beim Circus Roland (bzw. Busch-Roland) hat Claus Kröplin 15 Jahre verbracht. Er war hier nicht nur mit der Tierrevue engagiert (die er später durch seine Töchter Lilian und Nadja vorführen ließ), sondern war bei Busch-Roland zeitweise auch Tierschau-Chef sowie für Einkauf und Organisation zuständig. Während dieser vielen Jahre hatte Claus Kröplin die Haltung und Dressur aller möglichen Tiere studiert. Und die Elefanten seines Schwiegersohnes Sonni Frankello gehörten, überspitzt gesagt, ohnehin fast mit zur Familie. So war Claus Kröplin der richtige Mann, um vor 26 Jahren den Vorsitz einer von ihm mitbegründeten Interessengemeinschaft für Tierlehrer zu übernehmen. 1997 entstand daraus der Berufsverband der Tierlehrer. Mit Claus Kröplin an der Spitze hat sich dieser Verband erfolgreich für den Erhalt des klassischen Circus eingesetzt, und zwar für einen Circus mit domestizierten Tieren ebenso wie mit Tieren wildlebender Arten, gehalten nach modernen Erkenntnissen und daher ethisch auch vertretbar. Claus Kröplin war immer der „Motor“ und die Seele dieses Verbandes, der als sein Lebenswerk anzusehen ist. Das wusste auch die GCD zu schätzen. Sie ehrte ihn mit ihrer höchsten Auszeichnung, dem Ernst Renz-Preis. Nicht unerwähnt sei an dieser Stelle aber auch die humorvolle Seite des Wesens von Claus Kröplin. Als Leierkastenmann mit Rauschebart und Melone auf dem Kopf hat er in seinen späteren Jahren beim Hamburger Domfest oder auf dem Fischmarkt viel Spaß verbreitet. Stets einen lustigen Spruch auf den Lippen, sahen viele in ihm ein Hamburger Original. Was den Tierlehrerverband betrifft, so hat Claus Kröplin aus Alters- und Gesundheitsgründen 2015 erstmals auf eine weitere Kandidatur für den Vorstand verzichtet. Der Verband existiert in seinem Sinne aber weiter, und Claus Kröplin blieb bis in seine letzten Lebenswochen hinein ein wertvoller Berater. Doch seine Kräfte ließen nach; immer häufiger war er an das Krankenlager gebunden. Nun ist er am späten Abend des 20. Februar in der Agaplesion Klinik in Hamburg gestorben – im 83. Jahr seines bewegten Lebens. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Familie, die immer treu zu ihm gestanden hat. Lieber Claus, Du hattest Ideale und hast für sie gekämpft, gradlinig und unermüdlich, wie es Deine Art war. Die Circuswelt verdankt Dir viel. Ich persönlich habe mit Dir einen guten und verlässlichen Freund verloren. Ruhe in Frieden.

Klaus Lüthje – Circuszeitung

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